Wozu ein Testament ?

Jeder sollte ein Testament machen. Warum sagt Peter Schulz, Rechtsanwalt und Steuerberater bei WTS Private Steuerberatungsgesellschaft mbH München. wts.com/de

 

Testamentblog:  Nur jeder dritte Bundesbürger macht vor seinem Tod ein Testament oder schließt einen Erbvertrag. Was für eine Sorglosigkeit in einer so wichtigen Angelegenheit.

Schulz: Ich habe jahrzehntelange Erfahrung mit diesem Thema. Hinter dem Unwillen stehen meistens sehr banale Gründe. Emotional beschäftigt sich kaum jemand freiwillig mit dem eigenen Ableben.

Testamentblog:  Und scheut die Abfassung eines Testaments wie der Teufel das Weihwasser.

Schulz: Der (Irr)glaube, dass der Gesetzgeber alles richtig und gerecht regelt, verhindert es zusätzlich, die eigene Nachlassregelung anzugehen. Ein Testament zu machen, das alle Erben zufrieden stellt, ist eine komplexe, also schwierige Aufgabe. Auch das hält viele Menschen davon ab, die Initiative zu ergreifen. Erbrecht, EU-Erbrechtsverordnung, Gesellschaftsrecht, Eherecht, Güterstandsrecht, Erbschaftssteuer.  Das muss alles berücksichtigt werden.

Güterstand regeln

Testamentblog:  Beginnen wir mit einer unkomplizierten Situation. Ein junges Paar, ein Kind, macht kein Testament, weil keiner von ihnen ans Sterben denkt. Der Tod ist weit weg. Sie planen weiteren Nachwuchs. Dann ist ein Testament sowieso lästig. Es müsste bei zwei Kindern geändert werden. Diese Ansichten klingen sehr vernünftig!

Schulz: Sie sind aber sehr unvernünftig. Jedem von uns kann etwas Unerwartetes passieren. Stichwort Verkehrsunfall. Es ist für den zurückgebliebenen Partner zum Beispiel wichtig, dass der Güterstand geregelt wurde.

Testamentblog: Jahre später dürften Nachlassthemen aktueller sein. In der Bekanntschaft ereigneten sich die ersten Schlaganfälle. Das macht dünnhäutiger. In der Frauenpresse und anderen Journalen sind Testament und Tod obendrein beliebte Ratgeber-Stichworte. Können beide beim Friseur lesen!

Schulz: Klar, nach solchen Erfahrungen sind Erbschaftsthemen nicht mehr tabu. Wieder hält ein banaler Grund das Paar davon ab, konkrete Regelungen zu treffen. Die Partner sind unsicher wie sie ein Testament formulieren sollen. Ein Dokument aus einem Formularbuch trifft nicht immer den eigenen Fall. Sie möchten ungern Rat einholen.

Kinder einbeziehen

Testamentblog:  Sie kontaktieren einen Anwalt oder Notar.

Schulz : Dieser Fachmann konfrontiert sie mit einer umfangreichen Check-Liste. Er muss den Sachverhalt kennen lernen, um kompetent beraten zu können. Die Reaktion ist häufig totale Ablehnung. Einen fremden Menschen in alle Details ihres Lebens und ihres Eigentums einweihen? Dinge offen legen, die von ihnen bisher als unangenehm zur Seite geschoben wurde? Dies bedeutet Aufwand und Kosten. Dann lieber kein Testament.

Testamentblog: Die eigenen Kinder sollen das Vermögen der Eltern nicht so genau kennen. Das kann auch ein Grund sein. Vielleicht steigen ihre Ansprüche, was keiner möchte.

Schulz: Eigentlich wäre es sinnvoll, die möglichen Erben in die Nachlassplanung einzubeziehen, um spätere Streitereien zu vermeiden. Aber wann sind Kinder für solche Überlegungen im richtigen Alter? Keine leichte Entscheidung. Auch eine Aufstellung des Vermögens für einen Notar oder Anwalt ist mühsam und zeitaufwändig. Oft ein Grund, nicht zu beginnen.

Falsche Sparsamkeit

Testamentblog:  Bei Veranstaltungen von Anlageberatern herrscht gespannte Aufmerksamkeit, solange Erfahrungen anderer Erblasser im Mittelpunkt stehen. Es ist so still, man könnte eine Nadel zu Boden fallen hören. Sobald es darum geht, Fachleute für den eigenenn geregelten Erbgang einzuschalten, regt sich geschwätziger Widerspruch. „Das kommt nicht infrage.“ „Diese Leute verlangen zu viel Geld.“

Schulz: Ihre Beobachtung ist zum Teil richtig. Sogar sehr reiche Menschen sagen sich: Wozu so viel Geld ausgeben? Wozu sich mühen? Nach unserem Tod sollen sich unsere Erben auseinandersetzen, uns hat es nicht mehr zu kümmern. Der Gesetzgeber hat ja alles gelöst. Aus Erfahrung kann ich nur warnen: Bei der gesetzlichen Regelung kann eine Lösung herauskommen, welche die Erblasser ganz und gar nicht wollten. Denken Sie an den Fall, dass die Ehefrau oder der Ehemann als Miterben nicht mehr im Haus oder in der Wohnung der Familie wohnen bleiben dürfen. Ein Testament hätte dies mit einer entsprechenden Klausel verhindern können.

Testamentblog:  Die Fantasie reicht nicht sich aus, um sich auszumalen, worüber Erben nach einem Todesfall streiten.

Bei Rückfragen erreichen Sie den Autor unter dieser mail-Adresse:  peter.schulz.ext@wts.de

Noch mehr Informationen: WTS Website

Themen der kommenden Blogbeiträge: Testament und Unternehmensnachfolge, Testament und Patchworkfamilien

 

 

 

8 Kommentare

  1. Wozu ein Testament? Diese Frage richtete ich auch an meinen Opa, worauf er mir einfach antwortete: Für die Familie. Ich verstehe, er möchte eine Erinnerung für jeden nach sich hinterlassen. Die angegebenen Tipps kommen ihm recht zu Hilfe, danke! Die Streitereien will er bestimmt vermeiden. Tja, hat das Testament die Form eines Formulars? Kann mein Opa was mit eigener Hand hinzufügen? Die Tipps leite ich an den Opa weiter, danke!

    • hneukirchen
      hneukirchen

      Ein Formular git es für ein Testament nicht. Man schreibt es am Besten auf einen oder mehrere Bogen Papier (DIN4 Format). Möglichst kurze Sätze. Bitte die Namen der Erben korrekt schreiben, damit keine Mißverständnisse entstehen können. Das Testament muß mit der Hand geschrieben und unterschrieben werden.

  2. Vielen dank für die lieben Informationen zum Testament. Ganz so weit ist es bei mir noch nicht, aber die Sicherheit, dass meine lieben gut versorgt sind ist mir schon wichtig. Gut zu wissen, dass nur jeder dritte Bürger ein Testament hat. Dann werde ich wohl bald mein Testament beim Notar machen lassen.

  3. Hallo Profierben,
    das 74% weder Erbvertrag noch Testament haben hätte ich bei der deutschen Mentalität wirklich nicht erwartet.
    Dass es überhaupt eine EU-Erbrechtsverordnung gibt war mir nicht bekannt. Es lohnt sich sicher da mal einen Blick reinzuwerfen.
    LG
    Stef

  4. Vielen Dank für den Beitrag. Mein Großvater möchte sein Haus in Kapfenberg an mich vererben und braucht er eine Beratung zum Thema Liegenschaftsrecht. Wird es in der Zukunft einfacher für mich, wenn er darüber in seinem Testament schreibt?

    • hneukirchen
      hneukirchen

      Guten Tag Herr Genu!
      Ich werde Morgen Ihre Frage an den Autor des Beitrags weiterleiten, damit Sie eine qualifizierte Antwort bekommen.
      Bitte ein paar Tage Geduld.
      freundliche Grüße
      Heide Neukirchen

  5. Man schiebt das Thema Tod immer so weit wie möglich weg. Aber Sie haben Recht, man sollte auch das Unerwartete mit einbeziehen und Angehörige absichern, vor allem die eigenen Kinder. Darum werde ich mich mit meinem Mann zusammensetzen und auch einen Termin beim Notar oder Anwalt machen.

    • hneukirchen
      hneukirchen

      Guten Tag Frau Hanson!
      Vielen Dank für Ihr Interesse. Ich freue mich, wenn die Anregungen meines Blogs aufgegriffen werden. Die nächste Folge über Testamente ist in Vorbereitung.
      freundliche Grüße
      Heide Neukirchen

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